Freitag, 20. September 2019

Jan Slomp: 200 Jahre Goethes West-östlicher Divan (aktualisiert)

--- zum 28. August 2019, dem 270. Geburtstag des Dichters ---
Aus dem Niederländischen - der Originaltext 
folgt nach der deutschen Übersetzung
Goethe-Hafis-Denkmal in Weimar: Inschrift aus dem Divan
Anlässlich des 150. Todestages des größten deutschen Schriftstellers Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) am 18. März 1982 in der Zeitung Trouw fragte sich der Herausgeber und Goethe-Experte Hans Ester, ob es noch ein originelles Wort über den Dichter gäbe.
Er hatte offenbar übersehen, dass inzwischen
vor allem Annemarie Schimmel und Katharina Mommsen,
aber nicht nur sie, den Goethe des Orients der Vergessenheit entrissen haben.
Katharina Mommsen, die aus einer Familie mit berühmten Historikern stammt,
veröffentlichte bereits 1953 im Goethe-Jahrbuch
einen wichtigen Beitrag über den West-östlichen Divan. 
Ihr Meisterwerk von 1988, Goethe und die Arabische Welt (Frankfurt/M: Insel), beschreibt u.a., wie Goethe als junger Mann bereits von der muslimischen Welt fasziniert war.
Inhaltsverzeichnis:
https://d-nb.info/890091919/04
Die muslimische Verehrung Goethes begann vor hundert Jahren.
Annemarie Schimmel (1922–2002), Deutschlands führende Islamologin im 20. Jahrhundert, beschrieb den Einfluss von Goethes Gedichtzyklus, dem sogenannten Persischen Diwan, auf Sir Muhammad Iqbal (1877–1938).
Ihr Buch
Gabriel's Wing (Leiden: Brill 1963)  beschäftigt sich mit den religiösen Ideen von Muhammad Iqbal (1963). Er  wurde posthum zum Nationaldichter und Denker Pakistans. Er schrieb auf Englisch, Persisch und Urdu. Pakistanis zitieren ihn gerne. Sein Grab befindet sich gegenüber dem Eingang zur großen Badshahi (königlichen) Moschee in Lahore. 1919, genau hundert Jahre nach der Veröffentlichung des Goethe-Divans, begann Iqbal, an seine Pegham-e-Mashriq, Botschaft aus dem Osten, zu schreiben.
(Download-Möglichkeit: http://www.iqbalcyberlibrary.net/en/1877.html)
Die erste Zeile lautet auf Persisch: dar djawaab shaïr almaanwi = Antwort an den deutschen Dichter Goethe. Almaanwi bedeutet "Allemagne". Das Buch wurde 1923 veröffentlicht. Nach dem Ersten Weltkrieg wollte Iqbal die kalten Ideen und Gedanken des Westens mit Wärme inspirieren, wie es Goethe 1819 nach den verheerenden napoleonischen Kriegen mit seinem Divan getan hatte.
Nach dem Krieg von 1914-1918 blieb vom sog. guten Ruf des Kolonisators Großbritannien in Indien nicht mehr viel übrig. Heimkehrende Soldaten erzählten, wie schrecklich es war. Andere indische Schriftsteller nahmen dieses Thema auf.
Iqbal dagegen promovierte 1908 in Deutschland über persische Philosophie. Er liebte Deutschland und wollte sowohl seine Dankbarkeit als auch seine Kritik zeigen. So bestand die Möglichkeit, durch das Schreiben auf Persisch Leser im Iran und in der Türkei zu erreichen. Natürlich gab es Übersetzungen des Pegham, so diejenige von Arthur John Arberry aus dem Urdu. Die brillante Annemarie Schimmel übersetzte den Text in deutsche Verse. Darüber hinaus erschien der Pegham auf Arabisch, Französisch, Puschtu und Türkisch. Es wurde zu einer wahren Hommage an Goethe – weit über Europa hinaus.
Mein Aufenthalt in Weimar
Am 8. März 1982, einhundertfünfzig Jahre nach Goethes Tod, zitierte ich bei einem Vortrag in Erfurt Goethes Definition des Islam: "Wenn Islam Gott ergeben heißt ...". Nach dem Wort "heißt", stimmte das gesamte Publikum mit der Fortsetzung ein: "Im Islam leben und sterben wir alle". Meine Zuhörer kannten ihren Goethe! 

1819 - 2019: Divan-Erstausgabe 1819 (idw-Nachrichten): Poetische Perlen aus dem ungeheuren Stoff des Orients >>>
Im Nachwort zu seinem Divan schrieb Goethe über den eigentlichen Islam als: “die unbedingte Ergebung in den Willen Gottes, die Überzeugung, daß niemand seinem einmal bestimmten Lose ausweichen könne, wenn es einmal hergestellt ist". Nach Goethe waren Hingabe und Vertrauen in die Vorsehung Gottes das Herzstück des muslimischen Glaubens. Gott bestimmt den Lauf des Lebens eines jeden Menschen. Goethes eigener Glaube zeigt eine Affinität dazu.
Ausgabe Leipzig: Insel 1972, 4. Aufl., 605 S.
Am nächsten Tag besuchte ich Weimar. Goethe lebte und arbeitete dort von 1775 bis zu seinem Tod 1832 als Minister im Dienste des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar. Die Gräber von Goethe und Schiller waren während meines Besuchs wegen Restaurierung geschlossen. Von außen sah das Mausoleum sowieso nicht beeindruckend aus. Nach der Wende 1989 wurde deutlich, dass die DDR-Regierung das Erbe Goethes schlecht verwaltet hatte. Ein adliger Hofdichter wie Goethe passte natürlich überhaupt nicht zur marxistischen Ideologie der DDR, musste aber dennoch dem "nationalen kulturellen Erbe" angeeignet werden. Marxistische Goethe-Studien waren allerdings kein Erfolg. Aber Goethes Haus in der Stadt und sein Gartenhaus im Park blieben geöffnet und zogen viele Besucher an.


Goethe unterbrach seinen Aufenthalt in Weimar im September 1786. Er fühlte sich überlastet und ging recht plötzlich in die südliche Sonne nach Italien. Dort malte Tischbein sein bekanntestes Porträt.
 
Johann Heinrich Wilhelm TischbeinGoethe in der Campagna  (Städel-Museum, Frankfurt/M. - wikipedia)
Nach seiner Rückkehr 1788 setzte Goethe durch, dass Herzog Karl August ihn von den staatlichen Aufgaben entlastete und er gleichzeitig sein Gehalt behielt,
damit er sich ganz dem Schreiben, der Dichtung, dem Zeichnen
und der wissenschaftlichen Forschung widmen konnte.
Goethe setzt sich für Mohammed ein
Erste autorisierte Ausgabe der Tragödie "Mahomet" von Voltaire,
Amsterdam 1743 (wikipedia)
Aber Goethe behielt jedoch die Leitung des Staatstheaters unter der Aufsicht des Herzogs, ohne dessen finanzielle Unterstützung das Theater nicht rentabel gewesen wäre. Als Karl August Goethe aufforderte, das Theaterstück des Aufklärungsphilosophen Voltaire über den Propheten Mohammed für eine Aufführung in Weimar aus dem Französischen zu übersetzen, konnte er nicht ablehnen. Er zögerte allerdings so lange wie möglich. Das lag nicht daran, dass er Voltaire nicht zu schätzen wusste, sondern weil Voltaire den Propheten als Tyrannen und Betrüger dargestellt hatte. Goethe teilte diese Vision nicht, wie aus dem Gesang seines Mohammeds und in seinem Divan ersichtlich ist. Katharina Mommsen verglich das französische Original mit Goethes Übersetzung und stellte fest, dass der Dichter die negativen Aussagen von und über Mohammed anderen Schauspielern in den Mund gelegt hatte. Wahrscheinlich hat es damals niemand bemerkt, und Voltaire wusste es selbst nicht. Diese "Anpassung" war eine praktische Lösung für Goethes Dilemma.
Titelblatt der Erstausgabe von 1812

Goethes Entdeckung von Hafis aus Shiraz und der Beginn des Divans
Mein Gastgeber schenkte mir bei meinem Besuch zwei "Faksimiles" von Gedichten, die im Juli 1814 im Gartenhaus in Weimar geschrieben wurden und später in Goethes west-östlichen Divan aufgenommen werden sollten. Von diesem Datum an scheint es, dass er fast fünf Jahre kontinuierlich am Divan arbeitete.
Wie hatte es angefangen? 1813 machte ein Freund Goethe auf die zweiteilige Prosaübersetzung des Wiener Gelehrten Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856) aus dem Divan des großen persischen Dichters Hafis Shirazi aufmerksam. Hafis (Hafez) lebte von 1315 (oder 1325) bis etwa 1390.
Er wird immer noch als größter Dichter des Iran verehrt. Bei einem Besuch in seinem Mausoleum in Shiraz 1972 hörten wir junge Männer und Frauen, die sich an eine Säule lehnten und laut aus seinem Divan vorlasen. Das Grab ist von einem Rosengarten umgeben. 
Hafis Shirazi wird auch als "Gärtner der Liebe" bezeichnet. Meine Ausgabe mit Zeichnungen schöner Frauen hat 361 Seiten. Die französische Übersetzung von 2006 mit Erläuterung umfasst 1278 Seiten.
Hafis-Mausoleum in Shiraz (wkipedia.en)


Le Divân: Oeuvre lyrique d'un spirituel en Perse au XIVe siècle  
Hafez de Chiraz
 
– Traduit de  Charles Henri de FouchécourParis: Verdier 2006, 1278 pp.

Hg.: Günther Jäckel.
Berlin (DDR): Verlag der Nation 1966, 750 S.
(mit Scherenschnitten)
Briefe von Marianne Willemer, S. 523-536

Experten zufolge können nicht alle diese Zeichnungen im Divan von Hafis selbst stammen.
Goethe ist von dieser Übersetzung tief berührt. 
Seine Begeisterung teilt er mit der Schauspielerin Marianne, der jungen Frau seines Freundes, des Offenbacher Bankiers Johann Jakob von Willemer (*1760).
Jakob ist 54 Jahre alt, Marianne erst 30. 

Es entsteht eine innere Verbindung zwischen der jungen Marianne und dem alten 65jährigen Goethe.
Ohne die Inspiration einer begabten Frau kann Goethe bekanntlich keine Liebesgedichte schreiben. Wieder nimmt "das Ewigweibliche" (Faust) für ihn eine weibliche Form an. Nicht einmal sein Biograph Richard Friedenthal konnte herausfinden, wie oft dies in seinem langen Leben geschehen ist. 

Die meisten Liebesbeziehungen Goethes blieben mehr platonisch. Das war bei Marianne wohl auch der Fall. Doch der Dichter gesteht, im Lied des Sängers, am Anfang des Divan:
So sollst du, muntrer Greis,
Dich nicht betrüben.
Sind gleich die Haare weiß,
Doch wirst du lieben.
Nach einigen Treffen und Spaziergängen beschließen Goethe und Marianne, den Kontakt schriftlich fortzusetzen. In den Liebesgedichten, die sie sich gegenseitig schicken, nimmt Goethe den Namen des arabischen, vorislamischen Dichters Hatem (gest. 578) an. Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Hatim_al-Tai
Dies ist keine muslimische Gestalt, aber Goethe wird ein Muslim für die Muslime. Marianne spielt die Rolle der Suleika und nennt sich selbst auch so.
In der muslimischen Tradition ist sie Potiphars Frau. Potiphar war der Kommandant der pharaonischen Leibwache. Die Hausherrin versuchte vergeblich, ihren Haussklaven Josef zu verführen. Die Josefsgeschichte wird auch im Koran erzählt.
Suleika als Marianne schreibt nun ihre eigenen Liebestexte, die Goethe in seine Sammlung aufnimmt. So etwas ist ihm noch nie zuvor geschehen. 

Dank dieser Co-Autorin wurde der Divan zu seiner größten und schönsten Gedichtsammlung.

Interessant ist auch eine koreanische Ausgabe, die (auf deutsch) den Titel trägt:
Goethe und seine ewigen Frauen (mit Abbildungen) 2005, 324 pp.
--- siehe Goethe-Jahrbuch , Bd. 123 (2006), S. 371 ---
Goethe-Hafis-Denkmal in Weimar
Der islamische Inhalt des Divans
Goethes Divan beginnt als Ouvertüre für seinen Zeitgenossen Ludwig van Beethoven:
Hegire
Nord und West und Süd zersplittern,
Throne bersten, Reiche zittern
Flüchte du, im reinen Osten
Patriarchenluft zu kosten,
Unter Lieben, Trinken, Singen
Soll dich Chisers Quell verjüngen.
Mit "Hegire" vergleicht Goethe nach unserer Schreibweise die Hidjra (Hidschra), seine imaginäre Abkehr vom zerrissenen Europa, wo Throne bersten, mit der Abreise des Propheten von Mekka nach Medina im Jahr 622. Es ist ein “Flug” in den rein idyllischen Osten, wo man das Leben wieder genießen kann, wie es die Patriarchen in der Vergangenheit getan haben. Dort wird Chisers Quelle eine kulturelle Verjüngungskur bewirken. Chiser ist ein Begleiter von Mose im Koran.
"Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident, nord-und südliches Gelände ruht im Frieden seiner Hände". Im Divan baut Goethe eine kulturelle Brücke zwischen den Kontinenten. Er war seiner Zeit weit voraus. Im Nachwort schließt er: "Wer sich selbst und andre kennt, wird auch hier erkennen, Orient und der Okzident sind nicht mehr zu trennen”.
In Hafis erkennt Goethe nun einen Zwillingsbruder, mit dem er Lust und Leid teilen will, mit dem er konkurrieren will, mit dem er aber nicht mithalten kann. Sein Name bedeutet nämlich Kenner des Korans, aber Goethe sagt, dass er selbst weniger "bibelfest" ist.
Übersendung des Divans
Sein Freund Karl Friedrich Graf von Reinhard dankt 1819 für die Zusendung des Divan und sagt, dass er das Buch weiter empfiehlt: “Zum Beweis, dass man sich einem gläubigen Muslim, wie Sie es sind, wohl anvertrauen kann, trotz des Sakinameh". Warum die Zurückhaltung an dieser Stelle? Im Sakinameh, dem Schenkenbuch, hatte sich Goethe über das islamische Weinverbot etwas lustig gemacht. Der Graf fand, dass dies Muslimen wohl nicht gefallen würde.
Übrigens – alle 12 Kapitel des Divan haben persische und deutsche Namen.
Aus: Goethe’ Werke.
Vollständige Ausgabe letzter Hand.
5. Band. Stuttgart und Tübingen: Cotta 1828

Einige deutsche Muslime unserer Zeit beanspruchen Goethe aufgrund von ähnlichen Aussagen wie diejenigen des Grafen von Reinhard für den Islam. Zu Unrecht. Neun Jahre später schrieb Goethe an einen Freund, dass er die Erfahrung des Divans wie eine Schlange von einer alten Haut entfernt habe. Marianne erklärte später, dass die Poesie zusammen mit Goethe der Höhepunkt ihres Lebens gewesen sei. War Goethe also doch kein Muslim, sondern ein überzeugter Christ? Das kann man auch nicht sagen. Aber sicherlich war er ein westlicher “Kultur-Christ”.

Ausgabe: Frankfurt/M.: Suhrkamp -
Deutscher Klassiker-Verlag
im Taschenbuch, Bd. 18, 2010
























Helmut Thielicke schließt sein Buch “Goethe und das Christentum” (München: Piper 1982), dass Goethe sich nie selbst festgelegt hat. Der Dichter selbst sagte: "Wir sind Pantheisten, wenn wir die Natur studieren, Polytheisten, wenn wir Gedichte schreiben und Monotheisten in unserer Moral". 
Das Buch zum Download >>> 

Der Autor: Dr. Jan Slomp, emeritierter reformierter Pfarrer ist Islamwissenschaftler. Er gehört zu den herausragenden Impulsgebern des christlich-islamischen Dialogs,
nicht nur in den Niederlanden. 
Mehr zu Jan Slomp >>>
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Die im Text des Autors ergänzend eingefügten Links und Bilder:
Redaktion: InterReligiöse Bibliothek - IRB (Reinhard Kirste)



Berichte zum West-östlichen Divan, der 1819 - vor 200 Jahren - erschien:
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Der originale niederländische Text
Twee honderd jaar Goethe’s West-Östlicher Divan
Op 28 augustus 2019 was het zijn 270ste geboortedag
Jan Slomp, Dr. theol., emeritus predikant en islamoloog
Ter gelegenheid van de 150ste sterfdag van de grootste Duitse schrijver Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) vroeg redacteur en Goethekenner Hans Ester  in Trouw van 18 maart 1982 zich af of er nog één origineel woord over de dichter viel te zeggen. Het was hem blijkbaar ontgaan dat  intussen met name  Annemarie Schimmel en Katharina Mommsen, maar zij niet alleen, de oriëntaalse Goethe aan de vergetelheid hadden ontrukt. Catharina Mommsen, afkomstig uit een familie met beroemde historici, publiceerde al  in 1953  in het Goethe Jahrbuch over de West-östliche Divan. Haar meesterwerk uit 1988, Goethe und die Arabische Welt, beschrijft hoe Goethe al als jonge man geboeid was door de moslimwereld.
Moslim eerbetoon voor Goethe begon honderd jaar geleden
Annemarie Schimmel (1922-2002), Duitslands topislamoloog in de 20ste eeuw, beschreef de invloed van Goethe’s gedichtencyclus, in het Perzisch Divan genoemd, op Sir Muhammad Iqbal (1877-1938). Haar boek Gabriël’s Wing gaat over de religieuze ideeën van Iqbal (1963), Iqbal werd postuum  de nationale dichter en denker van Pakistan. Hij schreef in het Engels, Perzisch en Urdu.  Pakistanen citeren hem graag. Zijn graf ligt tegenover de ingang van de grote Badshahi ( koninklijke) moskee in Lahore. In 1919 precies honderd jaar na het verschijnen van de Divan van Goethe begon Iqbal te schrijven aan zijn Pegham-e Mashriq, Boodschap van het Oosten. De eerste regel luidt in het Perzisch: dar djawaab shaïr almaanwi Goethe: antwoord aan de Duitse dichter Goethe. Almaanwi  betekent uit ‘Allemagne’. Het boek verscheen in 1923. Iqbal wilde na  de Eerste Wereldoorlog de koude ideeën en gedachten van het Westen met warmte bezielen, zoals Goethe in 1819  met zijn Divan had gedaan na de verwoestende Napoleontische oorlogen. Na de oorlog van 1914-1918 was er van de reputatie van de kolonisator Groot-Brittannië in India niet veel over. Terugkerende soldaten vertelden hoe gruwelijk het was geweest. Andere Indiase schrijvers pakten dit thema op. Maar Iqbal was in 1908  in Duitsland gepromoveerd op de Perzische filosofie. Hij hield van Duitsland en wilde naast kritiek ook zijn dankbaarheid tonen. Door in het Perzisch te schrijven zou hij ook lezers in Iran en Turkije bereiken. Natuurlijk werden er vertalingen van de Pegham gemaakt, te beginnen in het Engels, in verzen door Arberry, en het Urdu. De geniale Annemarie Schimmel vertaalde het in Duitse verzen. Verder verscheen de Pegham in het Arabisch, Frans, Pushtu en Turks. Het werd een ware hulde aan Goethe tot ver buiten Europa.
Verblijf in Weimar
Op 8 maart 1982, honderd vijftig jaar na de dood van Goethe, citeerde ik tijdens een lezing in Erfurt, Goethe’s definitie van islam: “Wenn Islam gottergeben sein heisst,…”. Na het woord ‘heisst’, viel de hele zaal in met het vervolg: “im Islam leben und sterben wir alle”. Mijn publiek kende zijn Goethe!   In het nawoord van zijn Divan schreef Goethe over de eigenlijke islam als: “die unbedingte Ergebung in den Willen Gottes, die Überzeugung, daß niemand seinem einmal bestimmten Lose ausweichen könne”.  Overgave en vertrouwen op Gods voorzienigheid  vormden volgens Goethe de kern van het moslim geloof. God  determineert de levensloop van ieder mens. Goethe’s eigen geloof vertoont hiermee affiniteit. De volgende dag  bezocht ik Weimar, waar Goethe vanaf  1775  tot zijn dood in 1832  heeft gewoond en gewerkt, als minister in dienst van hertog Karl August van Sachsen Weimar. De graven van Goethe en Schiller waren tijdens mijn bezoek wegens restauratie gesloten. Het zag er aan de buitenkant toch al niet indrukwekkend uit. Na de Wende in 1989 bleek dat de DDR regering het erfgoed van Goethe slecht had beheerd. Een hofdichter als Goethe paste natuurlijk helemaal niet in hun marxistische ideologie. Marxistische Goethestudien werden geen succes. Maar zijn   woonhuis in de stad en zijn  Gartenhaus in het park waren wel open. Goethe onderbrak zijn verblijf in Weimar. In september 1786, overvraagd als hij zich voelde, vertrok Goethe plotseling  met de zuiderzon naar Italië. Daar schilderde Tischbein zijn bekendste portret. Na terugkeer in 1788 bedong Goethe dat hertog  Karl August hem, met behoud van salaris, zou vrijstellen van staatstaken, zodat hij zich geheel aan schrijven, dichten, tekenen en wetenschappelijk onderzoek kon wijden.
Goethe komt op voor Mohammed
Maar Goethe behield wel de leiding van het staatstheater onder het toeziend oog van de hertog, zonder wiens financiële steun het theater niet rendabel was. Toen Karl August Goethe opdroeg om het toneelstuk over de profeet Mohammed van de verlichtingsfilosoof Voltaire uit het Frans te vertalen voor een opvoering in Weimar, kon hij niet weigeren. Hij treuzelde zo lang mogelijk. Niet omdat hij Voltaire niet waardeerde, wel omdat Voltaire de Profeet had neergezet als een geweldenaar en bedrieger. Goethe deelde die visie niet zoals onder meer blijkt uit zijn Mahomet’s Gesang en in zijn Divan. Katharina Mommsen vergeleek het Franse origineel met Goethe ’s vertaling en ontdekte dat de dichter de negatieve uitspraken van en over Mohammed  andere spelers in de mond  had gelegd. Waarschijnlijk heeft niemand het toen gemerkt en heeft Voltaire er zelf nooit van geweten. Deze ‘bewerking’ was een handige oplossing voor Goethe’s dilemma.
Goethe’s ontdekking van Hafis Shirazi ; begin van de Divan
Mijn gastheer gaf mij in het Gartenhaus in Weimar twee ‘Faksimiles’ van gedichten geschreven in juli 1814,  die later zouden worden opgenomen in Goethe’s oosterse Divan. Uit deze datum blijkt dat hij bijna vijf jaar met de Divan bezig is geweest. Hoe was het begonnen? In 1813 attendeerde een vriend Goethe op de tweedelige prozavertaling door de Weense geleerde Joseph von Hammer van de Divan van de grote Perzische dichter Hafis  Shirazi.  Hafis leefde van  ongeveer 1315 tot circa 1390. Hafis  wordt nog  steeds geëerd als Iran’s grootste dichter. Tijdens een bezoek in 1972  aan zijn mausoleum in Shiraz (zie afbeelding), hoorden we jonge mannen en vrouwen, leunend tegen een pilaar, hardop lezen uit zijn Divan. Het grafmonument wordt omgeven door een rozentuin. Hafis Shirazi heet ook ‘hovenier van de liefde.’ Mijn editie met tekeningen van mooie vrouwen telt 361 bladzijden (zie afbeelding). De Franse vertaling uit 2006 met uitleg telt 1278 pagina’s..  Volgens kenners kunnen ze niet allemaal van Hafis zelf  zijn. Goethe wordt diep geraakt door deze vertaling. Hij deel t zijn enthousiasme met de actrice  Marianne, de jonge echtgenote van zijn vriend de bankier Johann Jakob von Willemer (* 1760).   Jakob  is vierenvijftig , Marianne dertig. Het klikt tussen Marianne  en de oude Goethe. Die is vijfenzestig. Zonder de inspiratie van een begaafde vrouw kan Goethe geen liefdesgedichten schrijven. Weer neemt “das Ewigweibliche” (Faust) voor hem een vrouwengestalte aan. Zelfs zijn biograaf Richard Friedenthal heeft niet kunnen achterhalen hoe vaak dat wel is gebeurd, tijdens zijn lange leven. Bij de meeste van die verliefdheden bleef het bij een platonische relatie. Dat was zeker zo in het geval van Marianne. Hij bekent,  in het lied van de zanger, aan het begin van de Divan:
“So sollst du, muntrer Greis, Dich nicht betrüben,
Sind gleich die Haare weiss, Doch wirst du lieben”.
Na enkele ontmoetingen en wandelingen besluiten Goethe en Marianne het contact schriftelijk voort te zetten. In de liefdesgedichten die ze elkaar zenden adopteert Goethe de naam van de voor- Arabische dichter Hatem. Dus niet van een moslim, maar hij wordt wel de moslims een moslim. Marianne speelt de rol van Suleika. Suleika zo heet in de moslimtraditie de vrouw van Potifar, die vergeefs probeerde haar huisslaaf Jozef te verleiden. Het Jozef verhaal wordt naverteld  in de Koran. Suleika alias Marianne schrijft haar eigen liefdeslyriek, die Goethe opneemt in zijn collectie. Zo iets was hem nog niet eerder overkomen. Dankzij deze co-auteur  werd de Divan zijn grootste en mooiste verzameling gedichten.
De islamitische inhoud van de Divan
Goethe’s divan begint als een ouverture van zijn tijdgenoot Ludwig van Beethoven:
Hegire
Nord und West und Süd zersplittern,
Throne bersten, Reiche zittern
Flüchte du, im reinen Osten
Patriarchenluft zu kosten,
Unter Lieben, Trinken, Singen
Soll dich Chisers Quell verjüngen
Met ‘Hegire’, volgens onze spelling hidjra, vergelijkt Goethe zijn denkbeeldige vertrek uit het  verscheurde Europa, waar tronen omvallen, met het vertrek van de Profeet van Mekka naar Medina in 622. Het is een vlucht naar het zuivere idyllische oosten, waar men zoals  de aartsvaders weleer, weer van het leven kan genieten. Daar zal Chiser’s bron een culturele verjongingkuur veroorzaken. Chiser is in de koran een metgezel van Mozes.
“Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident, Nord-und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände”. Goethe bouwt in de Divan een culturele brug tussen de continenten. Daarmee was hij zijn tijd ver vooruit. In het nawoord concludeert hij: “Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen, Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.”
In Hafis herkent Goethe een tweelingbroer met wie hij lust en leed wil delen, met wie  hij wil wedijveren, maar die hij niet kan evenaren. Zijn naam betekent kenner van de koran, maar Goethe zegt zelf  niet minder ‘bibelfest’ te zijn.
Ontvangst van de Divan
Zijn vriend Graf von Reinhard bedankt in 1819 voor de toezending van de Divan en zegt dat hij het boek aanbeveelt: zum Beweis, daß man einem gläubigen Moslim wie Sie sind sich wohl anvertrauen kann, trotz dem Sakinameh”. Van waar dit voorbehoud? Alle elf hoofdstukken hebben een Perzische  en Duitse naam. In de Sakinameh, het boek van de schenker, had Goethe gespot met het  islamitisch wijnverbod. Op grond van uitspraken als van von Reinhard claimen in onze tijd sommige Duitse moslims Goethe voor de islam. Ten onrechte. Negen jaar later schreef hij immers aan een vriend dat hij de ervaring van de Divan had afgestroopt als een slang een oude huid. Marianne verklaarde  later dat samen met Goethe dichten het hoogtepunt van haar leven was geweest. Geen moslim, maar wel overtuigd christen? Ook dat niet. Maar zeker wel een westers cultuurchristen. Helmut  Thielicke, concludeert in zijn Goethe und das Christentum (1982) dat Goethe zich nooit vastlegde. Goethe zelf verklaarde : “Wij zijn pantheïsten als we de natuur bestuderen, polytheïsten als we dichten en monotheïsten in onze moraal.”    --- Dr Jan Slomp is emeritus predikant en islamoloog

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