Mittwoch, 2. Juli 2014

Interreligiöse Offenheit im Taoismus

Die dem Laotse zugeschriebene Spruchsammlung des
Dao De Dsching
(auch Dau De Dsching / ältere Formulierung: Tao Te King) - vielleicht um 400 v. Chr. entstanden -  macht bereits durch ihren "Titel" deutlich, worum es geht:
Dao = Weg, Sinn-Orientierung, das Fließende, Prinzip
De = Energie, Kraft, Lebensprägung, Tugend, Güte, Charisma
Dsching = Textzusammenstellung, Leitfaden


Beispiele aus dem Dao De Dsching

Was ist das Tao?
Zusammenfassung mehrerer Sprüche: Jean Shinoda Bolen:
Tao der Psychologie. Sinnvolle Zufälle. Basel: Sphinx 1989, S. 18f



Das Eine umfassen
Laotse: Das Buch vom Sinn und Leben. Tao Te King. Übersetzung: Richard Wilhelm
Wiesbaden. Marix 2010, 4. Aufl. (Nachdruck Jena 1921), Nr. 22, S. 87

Was halb ist, wird voll werden.
Was krumm ist, wird gerade  werden.
Was leer ist, wird gefüllt werden.
Was alt ist, wird neu werden.
Wer wenig hat, wird bekommen.
Wer viel hat, wird umnebelt werden.
...
Was die Alten gesagt: "Was halb ist, soll voll werden",
ist fürwahr kein leeres Wort.
Alle wahre Vollkommenheit ist darunter gefasst.

Rückkehr zum Einen
Laotse: Das Buch vom Sinn und Leben. Tao Te King. Überstzung: Richard Wilhelm
  Wiesbaden. Marix 2010, 4. Aufl. (Nachdruck Jena 1921), Nr. 28, S. 93

Wer seine männliche Kraft erkennt
und dennoch in weiblicher Schwachheit weilt,
der ist das Strombett der Welt.
Ist er das Strombett der Welt,
so verlässt ihn nicht das ewige Leben,
und er kann wieder umkehren und werden wie die Kindlein
(vgl. Jesus in  Matthäus 18,3: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ...)
Wer sein Licht erkennt,
und dennoch im Dunkel weilt,
der ist das Vorbild der Welt.
Ist er das Vorbild der Welt,
so fehlt ihm nicht das ewige Leben,
und er kann wieder umkehren zum Ungewordenen ...     
 

Einheit von Sinn und Leben
Laotse: Das Buch vom Sinn und Leben. Tao Te King. Überstzung: Richard Wilhelm
  Wiesbaden. Marix 2010, 4. Aufl. (Nachdruck Jena 1921), Nr. 23, S. 88

... Wenn du an dein Werk gehst mit dem Sinn,
so wirst du mit denen, so den Sinn haben, eins im Sinn,
mit denen, so das Leben haben, eins im Leben,
mit denen, so arm sind, eins in ihrer Armut.
Bist du eins mit ihnen im Sinn,
so kommen dir die, so den Sinn haben,
auch freudig entgegen.
Bist du eins mit ihnen im Leben,
so kommen dir die, so das Leben haben, auch freudig entgegen.
Bist du eins mit ihnen in ihrer Armut,
so kommen dir die, so da arm sind, auch freudig entgegen ...   

Was vorher war und was folgt (Nr. 25)
Laudse: Daudesching. Hg. /übersetzt von Ernst Schwarz.
Leipzig: Reclam TB 477, Nr. 25, S. 64
DerselbeText Nr. 25 in der Übersetzung von Richard Wilhelm
Laotse: Das Buch vom Sinn und Leben. Tao Te King. Übersetzung: Richard Wilhelm
Wiesbaden. Marix 2010, 4. Aufl. (Nachdruck Jena 1921), Nr. 25, S. 90

Sein und Nichtsein ist ungetrennt durcheinander,
ehe Himmel und Erde entstehen.
So still! So leer.
Allein steht es und kennt keinen Wechsel.
Es wandelt im Kreise und kennt keine Unsicherheit.
Man kann es fassen als die Mutter der Welt.
Ich weiß seinen Namen nicht.
Ich bezeichne es als "Sinn".
Mich mühend seine Art zu künden,
nenne ich es: "groß".
Groß, damit meine ich: immer im Flusse.
Immer im Flusse, damit meine ich: in allen Fernen.
In allen Fernen, damit meine ich: in sich zurückkehrend.
Und darum heißt es:
Der Sinn ist groß, der Himmel ist groß,
die Erde ist groß, und auch der Menschenkönig ist groß.
Vier Große gibt es im Weltraum
und der Menschenkönig ist einer davon.
Der Mensch hat die Erde zum Vorbild.
Die Erde hat den Himmel zum Vorbild.
Der Himmel hat den Sinn zum Vorbild.
Und der Sinn hat sich selber zum Vorbild.  

   


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