Sonntag, 27. Juni 2021

Günter Faust: Kurz-Predigten

 Günter Faust ist Pfarrer am Katholischen Krankenhaus Hagen
 St. Josefs- und St. Johannes-Hospital

St. Josefs-Hospital Hagen

St. Johannes-Hospital Hagen-Boele



























Worte zum Sonntag

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Weihnachtspredigt 2020

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.

 

Szenen aus Lukas 1 und 2 - Darstellung in der   Wiedmann-Bibel

Liebe Patientinnen und Patienten, liebe Mitarbeitende!

Ist die Frage erlaubt, ob es Gott stinkt in dieser Welt?

Wenn wir unsere Erfahrungen und Gedanken auf Gott übertragen, läge der Vergleich nahe. So viele Dinge in dieser Welt stinken zum Himmel. So viele Ungerechtigkeiten sind zu verzeichnen. Menschen fühlen sich mit der jetzigen Situation überfordert. Die Diskrepanz zwischen Wirklichkeit, Erwartungen und Gottes Anspruch geht weit auseinander. Es schreit oder sagen wir ruhig stinkt erbärmlich.

Aber Gott zieht sich nicht zurück. Er erbarmt sich unser. Vielmehr hebt er die Distanz zwischen ihm und den Menschen auf. Er wird selbst Mensch. Und was muss er als erstes erleben. Er kommt mit den Gerüchen eines Stalles in Berührung. Der Vorteil ist für Jesus, dass er von Anfang an seines irdischen Lebens nichts anderes gewohnt ist. Er kommt dort zur Welt, wo Menschen sich versammeln, die sich nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens befinden.

Gott wendet sich als erstes denjenigen zu, die übersehen werden, um ihnen zu zeigen, ich verstehe euch, ich möchte, dass auch diese Welt für euch besser wird. Seine Liebe ist der Motor in der Zuwendung auch später zu den Menschen. Er zeigt uns das Prinzip seines Handelns.

Ein wichtiger Prozess ist es, zunächst zu sehen, dann zu urteilen und schließlich zu handeln. Von Anfang an ist Gott mit den Gerüchen dieser Welt vertraut. Seine Familie muss ihn im Stall zur Welt bringen, weil sonst kein Platz für ihn ist. Könnte das nicht von Anfang an frustrierend sein? Aber er gibt nicht auf. Er hält zunächst die Dinge aus. Er begegnet denen, die auch mit wenig sich zufrieden geben, die sich auch an den einfachen Dingen freuen können. Es sind die Schafe, die die Stimme ihrer Hirten kennen, Hirten, die Verantwortung übernehmen, die Gefahren des Lebens kennen. Es sind Ochs und Esel, die nach Jesaja die Stimme ihres Herrn kennen. Es sind Maria und Josef, die ihre ganze Liebe an ihr Kind weitergeben. Es werden die Weisen und Suchenden sein, in den Personen der Könige stellen sie die damalige bekannte Welt dar. Alle bringen ihre Gaben mit, um zu zeigen, dass sie darauf hoffen, dass sich etwas verändern wird. Sie möchten mithelfen. Sie halten die Augen und Ohren offen. Sie stehen dafür, dass sie auf den Messias warten.

Wie angekündigt, wird dieser die Welt im Sinne Gottes verändern. Zeichen der Macht werden umgedreht. Dröhnende Stiefel gehen nicht mehr daher, Blut wird nicht mehr vergossen
(vgl. Jesaja 9), Missbräuche werden aufgedeckt, Impfstoffe werden gerecht verteilt zwischen Armen und Reichen. Menschen fangen an, Hoffnung zu fassen. Und doch bleibt dieser Geruch in der Nase.

Gott nimmt nicht nur die Gerüche dieser Welt wahr. Er hat, das zeigt Weihnachten besonders, Stallgeruch. Er sehnt sich nach uns Menschen. Er wird einer von uns. Das ist seine Motivation. Er handelt nicht von oben herab. Gott bleibt nicht für sich. Er verbindet, was sich auseinandergelebt hat. Der erste Schritt geht von ihm aus. Ihm reicht es.

Er macht Menschen Mut. Er richtet auf. Der Wunsch vieler Menschen in dieser Weihnachtszeit ist es, nicht nur mit den Problemen konfrontiert zu werden. Vielmehr brauchen sie Menschen, die sie verstehen, Worte, die Perspektive vermitteln. Wir leben nicht nur von den Defiziten, vielmehr entdecken wir, was in uns steckt.

Wir haben es gelernt, regelmäßig zu lüften. Wir wissen, dass mancher Geruch in unserem Leben bleiben wird. Wir brauchen gerade momentan frischen Wind, der uns antreibt, der etwas verändern kann. Gott hat schon längst geschaut, er ist zu seinem Urteil gekommen und gerade deshalb handelt er an uns Menschen. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede bei den Menschen seines Wohlgefallens.

 Ich wünsche ihnen und euch ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Ihr und euer Pfarrer Günter Faust

 

Lizenz: CC

 

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